Dirty Writing – erotisches Schreiben lernen

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Erotische Geschichten lesen viele gern. Aber wie wäre es mal damit, die eigenen Fantasien oder Erlebnisse in eine knisternde Geschichte zu übertragen? Doch wie formuliert man so, dass es zwar beim Lesen knistert, es aber nicht zu ordinär wird? Oder wie baut man die Spannung einer Geschichte auf? Wer sich damit zum ersten Mal oder aber auch vertiefend beschäftigen möchte, für den ist das neue Buch „Dirty Writing“ eine inspirierende Möglichkeit. Darin gibt es über 50 Vorschläge, wie man Zugang zur eigenen Erotik und zum erotischen Schreiben findet, sowie Textbeispiele, Grundlagenwissen für Schreibende und viele Übungen: für einzelne Szenen, Dialoge oder eine ganze Geschichte mit Spannungsaufbau.

Unsere Blogautorin Beatrice Adore hat sich das Buch genauer angeschaut und beschreibt hier nicht nur ihren Eindruck, sondern präsentiert uns gleich zwei kleine Geschichtchen, die bei ihrer Lektüre des Buches entstanden sind.

Viele Anregungen

Mein erster Gedanke beim Blick auf das Inhaltsverzeichnis war: Das sind ja viele Kapitel! Dann der zweite: Oh, die sind ja nach dem Alphabet angeordnet. Und gleich als erstes werden auch die Lesenden aufgefordert, ihr eigenes „Abecedarium“ zu erstellen. Zu jedem Buchstaben des Alphabets sind Begriffe zu finden, die einem Gänsehaut bescheren; wie viele jeweils, die Reihenfolge, nach und nach oder gleich spontan zusammengesammelt, dies darf und soll nach persönlichem Gusto geschehen.

Erotische Inspirationen

Als anschließende Übung gilt es zu diesen ABC-Worten, einen kurzen „erotischen Kick“ zu notieren, zum Beispiel auch im Stile von „mein/e Freund/in hat mir geflüstert …“. Das Inspirieren hat bei mir gleich super funktioniert:
Bei „A“ habe ich „Aura“ notiert. Denn ich finde es unglaublich spannend, einem Fremden zu begegnen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Kino, und unwillkürlich, nach nur minimalem Blickkontakt und über eine Entfernung, die definitiv nicht mehr als das Erspüren der anderen Körperwärme zulässt, eine Welle seiner Aura-Energie zu fühlen. Es ist, als ob die Teilchen meiner Aurawellen auf Entdeckungsreise gehen, auf fremde, interessante Wellen stoßen und intuitiv mit ihnen in Kontakt treten. Diesen schwingenden Tanz wahrzunehmen löst bei mir ein intensives Kribbeln aus, was ich fast schon ein bisschen unheimlich finde.

Bei „Z“ steht bei mir „Zähne putzen“. Eine Freundin erzählte mir einmal, dass sie zu Kennlernzeiten ihres Freundes sich nichts sehnlicher gewünscht hatte, als einfache, gemeinsame Rituale mit ihrem neuen Geliebten erleben zu dürfen. Beide hingen noch in anderen Beziehungen und sie malte sich nach heimlichen Treffen oft aus, wie schön es wäre, etwa das abendliche Zähneputzen miteinander zu erledigen. In ihrer Vorstellung standen sie dabei ganz gemütlich, nackt und dicht aneinander gelehnt kuschelnd vor dem Waschtisch, einträchtig Körperpflege betreibend. Manchmal genoss sie in Gedanken einfach das harmonische, einträchtige Handeln, mit dieser großen Portion Selbstverständlichkeit. Doch so manches Mal gestaltete ihre Fantasie diesen Akt auch übermütiger. Da kreisten ihre Zahnbürsten gegenseitig auf den erfreuten Nippeln und sie verteilten lachend Zahnpastaküsse in Wellenlinien über die weiche Haut der Bäuche. Schaumige Rinnsale bahnten sich keck den Weg nach unten, Finger folgten …dirty writing

Doch zurück zum Buch. Nach dem Abcedarium geht es weiter mit zahlreichen Schreibanregungen und -tipps, kleinen Geschichten und Gedichten und Anekdoten. Dabei folgt die Autorin immer schön dem Alphabet, wobei es für die Schreib-Lesenden allerdings nicht nötig ist, diese Reihenfolge einzuhalten.

Ein bisschen stößt mir die äußere Qualität des Buches auf bzw. die Nichtqualität, denn es lässt sich nicht komplett aufklappen. Schon beim Lesen habe ich Schwierigkeiten, den „wabbeligen“ Einband ordentlich zu halten, umso mehr, wenn ich etwas in die Seiten hineinschreiben möchte – und vorhabe, nicht nur den äußeren Rand zu nutzen! Die Idee, die leeren, linierten Seiten für spontane Impulse oder erste Notizen in das Buch einzufügen, ist zwar gut gemeint, aber in dieser Gestaltung nur schlecht nutzbar.

Sex entsteht im Kopf

Vieles, was die Autorin schreibt, kann ich einfach nur doppelt unterstreichen. Sie sagt, Erotik und Schreiben habe vieles gemeinsam: Insbesondere die Fantasie – größtes Sexualorgan ist schließlich der Kopf – und den benutzen wir auch zum Schreiben. Für den Genuss im Alltag und auch für das Schreiben empfiehlt sie (passenderweise auf Seite 69): Das Geheimnis ist es, nicht auf den „richtigen“ Moment zu warten, sondern es einfach zu tun!
Ich erlebe es bei meinen Texten ebenso, wie die Autorin Ines Witka anmerkt, dass es äußerst schwierig ist, eine wirkliche Abgrenzung zwischen Erotik und Pornografie zu finden. Die Übergänge sind fließend und natürlich auch Geschmackssache.

Die Erregung beim Schreiben

Der Untertitel dieses Buches passt super und hält voll, was er verspricht: Ein Übungs- und Inspirationsbuch zum Schreiben schamloser Texte. Alles in allem ist es ein sehr unterhaltsames Buch. Tatsächlich randvoll mit durchaus heißen Anregungen und mit Ratschlägen, die anspornen. Es gibt Kapitel zu Rollenspielen aller Art, zur Verführung, zur Wahrnehmung und detaillierten Beschreibung der Umgebung beim Sexspiel, zum frivolen Fotoshooting oder zum Wechsel der Perspektiven. Dabei legt die Autorin geschickt Köder aus, um unsere Fantasie zu ermuntern; sie soll sich bewegen und ganz genau in alle Ecken schauen, auch in die dunklen. Wir sollen unseren Einfällen freien Lauf lassen, den geilen Hirngespinsten gestatten, sich auszudrücken. Auch das benennen, und ganz besonders das, was vorher vielleicht schamvoll von uns zurückgehalten wurde. Ohne moralische Hürden oder Beachtung des inneren Zensors. Schreibend. Und vielleicht auch als Anreiz für die höchst eigene Sexualität. Dabei können wir stets im Hinterkopf behalten: Unsere Erregung beim Schreiben wird auf den Lesenden übertragen!

Damit verabschiede ich mich, ich hab‘ da so ein Kribbeln, noch etwas aufzuschreiben …

Die Autorin Ines Witka

InesWitka2Ines Witka arbeitete über 10 Jahre als Texterin in der Werbebranche. Im Jahr 2012 erhielt sie den Master of Arts in Biografischem und Kreativem Schreiben von der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Seitdem konzipiert und realisiert sie Schreibwerkstätten und Workshops zum erotischen, kreativen und biografischen Schreiben.
www.ineswitka.de

Dirty writing. Das Schreiben schamloser Texte. Ein Übungs- und Inspirationsbuch.
von Ines Witka
240 Seiten,Euro 12,90
Format 21 x 14,8, Fadenheftung,
Konkursbuch Verlag, ISBN 978-3-88769-667-2
auch als ebook erhältlich (z.B. kindle 8,99 Euro)

Bei Amazon könnt ihr auch ins Buch hineinschauen http://www.amazon.de/Dirty-Writing-Schreiben-schamloser-Texte/


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Autorenprofil

Beatrice Adore

Gebürtige Berlinerin; kreatives Schreiben, Reiten und Tanz, insbesondere der Tango Argentino, gehören zu ihren Hobbys. Mit ihrem Lebens- und Liebespartner ist sie inzwischen über fünfzehn spannende, glückliche Jahre verbunden.

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