Mastubierende Pornosternchen und die Twerking-Butt-Maschine – die Venus 2015

Was hatte die Venus-Messe in Berlin – nach eigener Aussage die Weltgrößte Sex- und Erotikmesse – dieses Jahr zu bieten? Knisternde Erotik? Innovative Neuheiten? Hier ist mein (enttäuschender) Bericht von der Venus.

Mein erster Besuch auf der Venus also. Da ich nicht in Berlin wohne, muss ich mich trotz der späten Öffnungszeiten früh aus dem Bett quälen und in den Bus zur Messe Berlin steigen. Das Wetter ist trüb, es regnet in Dresden. In Berlin angekommen ist der Himmel zwar immer noch grau, aber es regnet zumindest nicht mehr. Ein gutes Zeichen? Denn glaubt man den Berichten der letzten Jahre, sieht es auch um die Sex- und Erotikmesse ziemlich trüb aus. Viel des alten Glanz & Gloria soll verloren gegangen und der Besuch der Messe vor allem laut und anstrengend sein. Bilder von kahlen Bühnen, auf denen sich nackte Frauen umringt von riesigen Menschenmassen räkeln, macht auch nicht unbedingt Lust auf mehr. Nichts gegen sich nackt-räkelnde Frauen aber erotische Stimmung verspricht das nicht.
Aber anstatt sich auf Andere zu verlassen, sollte man sich lieber selbst ein Bild machen. Schließlich hat jeder einen subjektiven Blick – und gerade im Bezug auf Sex und Erotik kann der sehr stark differieren.

nightclub Venus 2015Ein Blick in die Veranstaltungsübersicht hinterlässt vor allem den Eindruck, dass die Venus eine Präsentationsplattform für die gesamte Riege der Amateurstars und -sternchen von Mydirtyhobby & Co ist. Signierstunde mit … Show mit … und nochmal Signierstunde mit …. So geht das den ganzen Tag. Ab und zu blitzen auch ein paar Highlights wie eine Bondagevorführung durch – die werde ich mir ansehen. Auch die neu eingerichtete Business-Area lässt auf einen erhellenden Besuch hoffen. Dort können sich Aussteller ganz ohne laute Musik und Shows präsentieren. Ich bin gespannt, ob es dort das ein oder andere neue Sextoy zu entdecken gibt.

Pornostars und Pornosternchen

Sternchen Venus 2015Nach einer entspannten Busfahrt und weniger entspanntem Anstehen am Eingang, habe ich mich schließlich in die Eingangshalle durchgekämpft. Dort habe ich die Wahl zwischen Tor 1, 2 oder 3. Ich entscheide mich zunächst für Tor 1. Die linke Halle war das Mekka für alle Freunde der Hardcorepornographie. Ein paar wenige Pornostars und zahlreiche Pornosternchen tummelten sich dort an ihren Ständen und wer genug Geduld mitbrachte, konnte ein Foto mit jeder ergattern. Anfassen inklusive. Die Damen, überwiegend gut gelaunt, ließen den regen Andrang über sich ergehen, lächelten nett in die Kamera und entblößten sich auch mal für ihre Groupies, wenn sie nicht ohnehin schon nackt waren. Gleichzeitig gaben sie auf diversen kleinen Bühnen Kostproben von ihrem Können. Da ist die Livecam-Show gleich am Eingang, oder die Stripstange in der Mitte der Halle. Wenn man wissen wollte, wo gerade was los war, musste man einfach nach einer geifernden Menschenmenge Ausschau halten. Trotz ausgesprochen expliziter Darstellungen kam jedoch weder Erregung geschweige denn auch nur ein Hauch Erotik auf. Sicher ließe sich streiten, was unter Erotik zu verstehen ist. Für mich jedoch hat Erotik etwas mit der Übertragung von Gefühlen und Stimmung zu tun. Die Luft muss knistern, es muss sich eine Verbindung zwischen Zuschauern und Darstellerin aufbauen. So etwas bei der Venus – Fehlanzeige.

Jagte man nicht gerade dem Autogramm seiner Lieblingssquirterin hinterher, war der Besuch der Pornohalle eine Qual. Von überall wurde man mit Musik zugeballert – jeder Stand schien den nächsten mit schlechter Elektronikmusik übertrumpfen zu wollen, was sich schnell zu einer schier unerträglichen Geräuschkulisse summierte. Da konnten einem auch die halb oder gar vollständig entblößten und nett lächelnden Pornodarstellerinnen nicht versöhnlich stimmen. Erschreckend war auch der Stand einer Schönheitsklinik. Zum einen waren die Werbe-Damen dieses Standes so voll mit Botox gepumpt, dass sie wahrscheinlich nicht mal traurig gucken könnten, wenn sie gewollt hätten. Zum anderen wurde das Video einer Brust-Op gezeigt, was durch und durch unappetitlich war. Ich werde Silikonbrüste nie mehr mit den gleichen Augen sehen können.

Als einzige Oase des Lichts in dieser Halle erschien der helle, freundliche Amorelie-Stand am Ende der Halle, dessen Glücksrad-Aktion einen größeren Menschenauflauf erzeugte als die masturbierende Blonde auf der anderen Seite der Halle. Es wurde hochwertiges Spielzeug und Zubehör präsentiert und jede Menge Dildofeen kümmerten sich um die Beratung der interessierten Besucher. Eine Beratung allerdings, bei der man sich aufgrund der Lautstärke gegenseitig ins Gesicht brüllen musste.

Fetisch in Minimalversion

Fetisch Venus 2015Ein besonders trauriges Bild bot der Fetischbereich. Kam in der Pornohalle zwar keine wirkliche Erotik aber immerhin noch Stimmung auf, war dort überhaupt nichts los. Ein paar wenige Stände reihten sich entlang der Wände auf. Nur wenige Besucher stöberten durch Fetischbekleidung und Peitschen. Standbetreuer langweilten sich entweder oder suchten verzweifelt nach Kundschaft.

Die Fesselperformances auf der Bühne in der Mitte des Raumes waren dann ganz nett anzuschauen, wirkten aber ebenfalls vollkommen emotionslos. Es kam eher das Gefühl auf, da würde mal schnell eben eine Standardfesselung abgespult. Das Ropebunny wird zusammengeschnürt, ein wenig aufgehängt, ein paar Klammern dran und das war es.

Business ohne Business

Ramsch Venus 2015Was groß als Business-Halle angekündigt wurde, glich eher einem Lagerverkauf. Händler warben mit Sonderrabatten von bis zu 75% oder Überraschungspaketen. Dazwischen gab es einen Ramschbasar, der in großer Auslage Chinaware anbot und einige Dessous-Stände. Wer Ausschau nach den guten Labels wie Lelo, Funfactory & Co hielt, wurde schwer enttäuscht. Die hatten sich wohl schon auf der eine Woche eher stattfindenden Businessmesse Erofame ausgetobt und wollten sich den Ramschverkauf auf der Venus nicht antun. Vergeblich schaute man sich auch nach einem expliziten Stand von Eis.de um – dem Zalando der Sexspielzeuge. Dabei schien Eis.de als einer der Hauptpartner der Venus zu agieren – wurde man doch schon am Eingang mit „LECK MICH DOCH!“ von einem hoch hängenden Eis-Plakat angeschrien.

 

twerking butt Venus 2015Die interessanten Ausstellungsstücke sind schnell aufgezählt. Da war zum Beispiel der Twerking-Butt von PornHub. Das revolutionäre und vollautomatische Sexspielzeug für den Mann, welches einem mittels 3D-Brille direkt in den eigenen Live-Porno versetzt. Gleichzeitig vergnügt man sich mit dem vibrierenden und twerkenden Torso einer High-Tec Gummipuppe.

 

 

Duschaufsatz Venus 2015Auch eine witzige Idee war der vibrierende Duschaufsatz. Er wird anstatt des Duschkopfes angeschraubt und besteht aus einem Vibrator und einer Düse für das Wasser. Während der Vibrator eingeführt wird, lenkt die Düse den Wasserstrahl gebündelt auf die Klitoris. Ebenfalls nette Ideen waren die Holzdildos und -vibratoren von WaldMichlsHoldi und Schokoladen in Form von Brüste und Schwänzen. Bei letzteren kann ich aus Erfahrung sagen, dass sie sich eher zum Verzehr als zum Gebrauch eignen, auch wenn es verlockend ist.

Kein Glanz. Kein Glamour. Kein Gloria.

Bär Venus 2015Von dem angeblichen Glamour der vergangenen Tage ist nichts mehr auf der Venus-Messe zu spüren. Sie präsentiert sich als eine Mischung aus Pornoshow und Lagerverkauf mit wenig Charme und wenig Innovation. Die Messe, die von sich selbst behauptet die größte Erotikmesse der Welt zu sein, stellte sich als überraschend klein heraus. Ganz ehrlich, nach zwei Stunden stand ich wieder in der Eingangshalle und dachte, das kann es doch nicht gewesen sein. Und ich habe mir schon Zeit gelassen beim Durchgehen. Sollte ich wirklich für zwei Stunden enttäuschenden Messebesuch extra aus Dresden nach Berlin gekommen sein? Ich habe es irgendwie geschafft nochmal zwei Stunden herumzulaufen, bevor ich es nicht mehr ausgehalten habe und die Hallen fluchtartig verließ.
Auch scheint die Messe nicht mit dem Trend der Zeit zu gehen. Bei den Pornos ist es vielleicht noch nicht ganz soweit, aber zumindest Sexspielzeug hat mittlerweile das Schmuddelimage abgestreift und ist gesellschaftsfähig geworden. Es wird immer verspielter, heller und freundlicher und damit auch massentauglicher – warum kann nicht auch die Messe diesen Weg gehen? So bleibt ein Besuch der Messe allein für die Porno-Nerds erstrebenswert, alle anderen schwören sich nach dem ersten Besuch: Einmal und nie wieder. Denn für sie hält die Messe absolut null Mehrwert bereit.

Den Worten meiner Begleitung nach, welche bereits letztes Jahr die Venus besucht hat, war dieses Jahr noch weniger los als letztes Mal. Weniger Stände, weniger Shows, weniger Stimmung. Nicht einmal kleine Werbegeschenke gab es, wo das doch eigentlich ein Muss für jede Messe ist. Traurig.

Auch ernüchternd: hat man es dann einmal geschafft sich über die ganze Messe zu schleppen, sich doch mal überwunden, in dem einen oder anderen Angebot zu stöbern und sich auf der Showbühne PussyKat angeschaut, fühlt man sich ziemlich ausgelaugt und braucht dringend was zu Essen. Und da denkt man, auf so einer Messe im hippen Berlin gibt es doch sicher was Leckeres. Fehlanzeige. Die Wahl musste zwischen Bratwurst, Hot Dog und Ditsch getroffen werden wozu es noch vollkommen überteuerte Getränke gab. Und das, wo man etwas frisches, knackiges nach dem erdrückenden Messeerlebnis bitter nötig gehabt hätte.

So habe ich die Messe nicht nur enttäuscht verlassen, sondern auch noch mit einem fettigen Nachgeschmack auf der Zunge, welcher von der Pizza stammt, die ich mir notgedrungen noch gekauft hatte.

Sextoy Venus 2015Unerwarteter weise hielt dann jedoch die Rückfahrt nach Dresden eine Entschädigung für den durch und durch enttäuschenden Besuch der Venus für mich bereit. Der vor mir Sitzende war der Meinung seinen Sitz nach hinten stellen zu müssen, ließ mich dafür aber an seinen WhatsApp-Nachrichten auf dem Handy teilnehmen. Eingestiegen bin ich in die Unterhaltung bei „Can I have your cum?“, kurz nachdem wir in Berlin losgefahren sind. Ich musste wirklich dreimal lesen, bevor ich sicher war mich nicht verguckt zu haben. Nach einigem hin und her folgten dann noch ein paar Nacktbilder und als wir schließlich in Dresden ankamen: „I will make you come with my dick!“
Dieses eine Gespräch bot mir mehr erotischen Unterhaltungswert als die gesamte Venusmesse.

 

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