"erectia fantastica" von Tor Schunk

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erectia fantastica

von Tor Schunk


Struckmann bemerkte sie das erste Mal am späten Nachmittag. Sie hieß Laura Offenburg und vertrat ein Handelsunternehmen der Boisen-Bach-Gruppe, das sich mit dem Vertrieb von Bohrfuttern beschäftigte. So zumindest stand es auf einem der zahlreichen Aufsteller, die um sie herum postiert waren. Um ihn lesen zu können, hatte er sich ihr einige Meter genähert; verstohlen war er zu dem Wasserspender gegangen, der in der Mitte der Halle stand, um sich einen Becher voll zu holen. Dabei hatte er sie aus den Augenwinkeln beobachtet, schüchtern und verlegen wie ein 15jähriger. Sie trug ein aprikofarbenes Firmenkostüm, tailliert, mit schmalen Revers. Struckmann schätzte sie auf 25. Sie war groß und schlank und hatte lange, dunkelblonde Haare. Ihr Teint war makellos und ihre Augen schienen blau zu sein, soweit er das auf die Entfernung hatte beurteilen können.

Zurück an seinem Stand fragte sich Struckmann, warum er sie nicht schon früher bemerkt hatte. Er fuhr sich nachdenklich mit den Fingern über das Kinn, zog sich dann die Hose höher und begann die Prospekte neu zu ordnen, die vor ihm auf dem Tisch lagen. Erst die großen, glanzlackierten, danach die Faltblätter und ganz zum Schluß die Luftballons, Memosticks und Schlüsselanhänger.

Dann sah er wieder rüber zu Laura Offenburg. Sie hatte mit einer Schauveranstaltung begonnen. Um ihren Tresen herum stand gut ein Dutzend Männer, die sie dicht umringten. Struckmann jedenfalls konnte sie kaum noch sehen. Dafür aber konnte er ihre Stimme hören; beinahe so klar und deutlich, als stünde sie neben ihm. Es war eine kräftige Stimme, ohne jeden Schmuck. Im Hintergrund hatte sie etwas Belegtes, das wie ein leises Bellen klang. Hin und wieder machte sie eine kurze Pause, wiederholte dann noch einmal das Gesagte und ging über zu einem der nächsten Vorzüge ihrer Bohrfutter. Als sie mit ihrem Vortrag fertig war, beobachtete er, wie sie alles verstaute, was sie aus den Kisten hervorgeholt hatte: Styropor, verschiedene Gesteinsproben, Metalldosen und Holzklötze. Während sie sich bückte, umspannte der Stoff ihres Kostüms ihr Gesäß, und der Blazer schnürte ihren Oberkörper ein. Er saß so eng, daß Struckmann spürte, wie ihn dieser Anblick erregte. In seinem Becken machten sich heftige Stiche bemerkbar und wie aus dem Nichts kommend, sah er sich auf einmal, wie er hinüber zu Laura Offenburg ging. Bei ihr angekommen packte er sie von hinten bei den Lenden und schob sie vor sich her bis zu ihrem Tresen. Dort angelangt preßte er ihren Unterleib gegen die Tischkante, zog ihr den Rock über die Hüften und fuhr ihr mit der einen Hand unter ihre Bluse, um ihr den BH über die Brüste zu zerren; mit der anderen griff er ihr zwischen die Schenkel, genau in die Mitte und rieb sie dort solange, bis seine Finger in ihr versanken. Sein Herz pochte wie wild bei diesen Gedanken. Seine Hände wurden kalt, das Blut stieg ihm in den Kopf, und sein Atem begann zu rennen. Einen Augenblick lang befürchtete er, die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren. Vielleicht ein Herzinfarkt? Oder ein Schlaganfall? Er faßte sich an die Stirn und in den Nacken, um zu fühlen, ob sich dort kalter Schweiß gesammelt hatte. Dann nahm er sich beim Handgelenk und zählte seinen Pulsschlag. Eins, zwei, drei, vier, … neun, zehn, elf, zwölf, dreizennvierzefünfsechssieb … – die Zahlen überschlugen sich. Wenn ich tief ausatme, sagte er sich, dann wird es besser. Nur nicht hyperventilieren, nur nicht hyperventilieren! Er holte ein wenig Luft und atmete tief und lange aus. Immer wieder. Ein und aus. Ein und aus. Und tatsächlich: nach einer Weile wurde ihm wohler.

Als er meinte, wieder im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein, dachte er daran, sich einige Meter weiter eine Currywurst zu holen. Gerade als er loswollte, bemerkte er, daß es in seiner Hose hart geworden war. Sie spannte derart, daß Struckmann befürchtete, man könnte die Wölbung entdecken, die sich abzeichnete. Er streckte seinen Hintern raus und bog sich hin und her, als hätte er sich den Rücken verhoben. Dann schob er seine linke Hand in die Hosentasche, um die Erektion zu verbergen und drehte sich weg von den Besuchern, die durch die Halle trieben. Hinter ihm, inmitten zusammengerollter Plakate, Werbebroschüren und Streuartikeln, fand er einen Karton mit Hinweisblättern über Erste Hilfe. Für einen Moment mußte er gegen seinen Willen schmunzeln. Er nahm sich eines der Blätter vom Stapel und überflog es. Die Erektion aber blieb. Struckmann erinnerte sich, daß er vor einigen Monaten im Warteraum seines Hausarztes in einer Fachzeitschrift vom Priapismus-Syndrom gelesen hatte. Einer schmerzhaften Dauererektion beim Mann, die zur Thrombose führen konnte und zu einer Verhärtung des Bindegewebes. Und was noch viel schlimmer war: zu dauerhafter Impotenz. Bei diesem Gedanken wurde ihm angst und bange. Ratlos sah er auf und suchte den Raum nach Zerstreuung ab. Dabei streifte sein Blick versehentlich Laura Offenburg. Sie stand noch immer breitbeinig, den Rock über die Hüften gezogen, an ihrem Verkaufsstand. Ihre Augen waren geschlossen, und sie atmete laut und stoßweise, den Oberkörper nach vorn gebeugt, während sie Struckmann, der zwischenzeitlich in sie eingedrungen war, von hinten bediente. Sich selbst im Hohlkreuz haltend, griff er ihr mit seinen Händen ins Gesäß. Ihre Backen aber waren zu fest, als daß er Halt in ihnen finden konnte. Verärgert gab er auf und faßte sie anstelle dessen bei den Haaren. Laura Offenburg wandt sich unter seinem Griff und rollte den Kopf. Dann knickte sie in ihren Handgelenken ein, ließ sich auf ihre Unterarme fallen und versuchte, ihn mit dem Gewicht ihres Oberkörpers zu sich herunterzuziehen.

Struckmann merkte, daß er so nicht weiter kam. Wenige Augenblicke noch und er würde explodieren. Unter seinen Achseln sammelte sich der Schweiß, und in seiner Brust hämmerte es noch verrückter als vorher. In seiner Verzweiflung beschloß er, zur Toilette zu gehen, um zu masturbieren. Er schrieb ein Schild „Komme gleich wieder” und stellte es in der Mitte des Tisches auf, als plötzlich ein kleiner Junge vor ihm stand, dem kurz darauf seine Eltern folgten. Verdammt, schoß es ihm in den Sinn. Verdammt! Verdammt! Verdammt! Schweißgebadet sah er auf den Jungen herab und beobachtete ihn argwöhnisch. Er war etwa acht Jahre alt. Seinen Kopf hielt er schräg, so als wollte er ihn jeden Augenblick auf seiner linken Schulter ablegen, und er griente Struckmann an wie ein gelber Smiley. Wäre es irgend möglich gewesen, Struckmann hätte ihm am liebsten ein Tuch übergeworfen wie einem Vogelkäfig zur Nacht. So aber holte er tief Luft und nickte den Eltern zu, die im Hintergrund stehen blieben – etwa drei, vier Schritte von ihrem Sohn entfernt, als hätte der eine ansteckende Krankheit. Struckmann kramte nervös auf seinem Tisch herum und hielt dem Jungen ein Geduldsspiel hin mit kleinen silbernen Kugeln, die man in die Augen eines Bluttropfens rollen mußte. „Schau mal, was ich hier für dich habe. Das wird dir gefallen!“ Er begann ihm das Spiel zu zeigen. „Es ist ganz einfach. Du brauchst nur etwas Geschick dazu.“ Der Junge aber zeigte kein Interesse. Er blieb regungslos auf seinem Platz stehen, ohne ein Wort zu sagen. Struckmann brach den Versuch ab und warf das Spiel zurück auf den Tisch. „Und was hältst du davon: ein Organspendeausweis. Oder hier: ein Aidsratgeber. Wer weiß, vielleicht brauchst du das mal. Also in der Schule oder so.” Mit flehenden Augen bat er den Jungen, alles zu nehmen, was er ihm hinhielt. Der aber verschränkte seine Hände auf dem Rücken und griente ihn unverändert an. „Ja richtig, Mutti und Vati haben dir bestimmt gesagt, du sollst nie etwas von einem Fremden annehmen”, sagte Struckmann und lächelte zu den Eltern rüber. Dann wurde ihm schwindlig, und für den Bruchteil einer Sekunde drehte sich alles vor seinen Augen. Mit seinen Oberschenkeln stützte er sich am Tisch ab und blieb etwas schief, nach vorn geneigt stehen. In seiner Hose war es unverändert hart, und irgendwie hatte Struckmann den Wunsch, sich in Nichts aufzulösen, so verzweifelt fühlte sich seine Lage an. In der Zwischenzeit war der Vater des Jungen an seinen Sohn herangetreten und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Dann sah er zu Struckmann auf, mit einer Spur von Mitleid im Gesicht und ging auf den Tisch zu. Er nahm das Geduldsspiel an sich und reichte es seinem Sohn. Dann sagte er zu Struckmann „Abben sie fielen Dangk“ und verabschiedete sich für die ganze Familie mit „Au revoir“. Struckmann war erleichtert. Je weiter sich die Familie von ihm entfernte, desto angenehmer wurde ihm der Junge. Ein drolliger kleiner Franzose. Ein hübscher, dunkelhaariger Bursche, mit aufmerksamen Augen, sagte er sich, und fast hätte er sein Gleichgewicht wiedergefunden, als er an die Erektion in seiner Hose denken mußte. Jetzt endlich habe ich Zeit, auf Toilette zu gehen, dachte er, und ohne jede weitere Vorbereitung, nur noch mal einen kurzen Blick auf Laura Offenburg werfend, verließ er seinen Stand und ging eilig zu den WC’s. Dort angekommen mußte er warten, weil die Kabinen besetzt waren. Links und rechts stand jeweils eine Schlange von vier Männern. Er blieb irgendwo zwischen den Pissoirs und den Wartenden stehen, unschlüssig und wie gelähmt. Dann beschloß er, sich anzustellen. Nach gut zehn Minuten war er an der Reihe. Er betrat die Kabine und prüfte zunächst den Schließ-mechanismus der Tür – ein fingerbreiter Hebel, den man nach links umlegen mußte, um sie zu verriegeln. Danach öffnete er seine Hose, ohne sie runterzulassen und setzte sich auf die Brille des Klosetts. Er zog seine Beine nach hinten, damit niemand seine Füße sehen konnte und blickte an den Wänden der Kabine empor, um festzustellen, ob man ihn von oben beobachten konnte. Zum Glück schloßen die Wände fast unmittelbar mit der Decke ab, so daß nur ein kleiner Zwischenraum blieb, der zu gering war, als daß ein Kopf, geschweige denn ein Oberkörper durchgepaßt hätte. Offensichtlich ein Planungsfehler, sagte sich Struckmann aber einer, der ihm sehr gelegen kam. Ermutigt davon fuhr er sich mit der rechten Hand in die Hose und versuchte an Laura Offenburg zu denken. An ihren Hintern und an ihre Brüste und an ihr Stöhnen, von dem er überzeugt war, daß es rauh klingen würde, fast männlich. Einmal in Gedanken, ging ihm auch anderes durch den Kopf: warum sie gerade Bohrfutter vertrieb und nicht Dessous, zum Beispiel; oder ob sie liiert war mit diesem Boisen oder Bach und wie sie wohl roch, besser gesagt wie sie duftete: vielleicht nach einer Mischung aus Rosenblüten und Sandelholz oder aber nach Moschus? Moschus für Frauen. Wo hatte er das gleich noch gelesen? Und während er darüber nachsann hörte er, wie sich jemand neben ihm in der Kabine aufs Becken setzte und, kaum, daß er Platz genommen hatte, einen langen zitternden Furz ließ. Struckmann verzog angewidert den Mund. So mußte man sich nicht gehen lassen, empörte er sich und spürte, wie ihm vor Ekel die Konzentration schwand. Reiß dich zusammen!, rief er sich zur Ordnung und sah ärgerlich auf seinen Schoß. Verbissen begann er die Angelegenheit fester in die Hand zu nehmen, als es plötzlich an der Tür klopfte und von draußen jemand fragte: „Na, wird’s was oder wie lange dauerts noch?“ Jetzt war Struckmann gänzlich aus dem Konzept. Er sank in sich zusammen und warf einen verzweifelten Blick auf sein steifes Glied, das ihn seidenmatt anglänzte. Enttäuscht bog er es zurück in seine Hose, riß einen längeren Strang Klopapier von der Rolle und knüllte es wütend zu einem Bündel zusammen. Damit fertig schmiß er es ins Klo, drückte die Spülung und verließ eilig die Kabine. Draußen, in der Halle, faßte er den Entschluß, nicht eher an seinen Stand zurückzukehren, als daß dieses unsägliche Problem beseitigt war. Egal wie groß der Ärger auch sein würde, wenn sein Chef davon erfuhr. Selbst auf die Gefahr hin, abgemahnt zu werden – niemand konnte von ihm verlangen, daß er unter diesen Umständen weiterarbeitete – er war eindeutig indisponiert, wenn man es genau nahm sogar schwer indisponiert, und er hatte ein Recht auf Erholung! Firmenethos hin, Firmenethos her! Struckmann war entschlossen, es so und nicht anders seinem Chef mitzuteilen. Nach Möglichkeit sofort. Ja, das war die beste Lösung: Den Chef anrufen und ihm sagen, daß man aus gesundheitlichen Gründen eine gewisse Pause benötige. Vielleicht zehn oder 20 Minuten, aber die brauche er, auf die würde er bestehen! In der Nähe des Ausgangs hatte Struckmann ein Telefon gesehen. Dort angekommen, wählte er die Nummer seines Chefs und ließ es klingeln: einmal, zweimal, dreimal, als ein Mann an ihm vorbeikam, der sich offenbar beide Arme gebrochen hatte. Sie waren beginnend bei den Fingerspitzen bis oberhalb der Ellenbogen eingegipst und leicht nach innen gebogen. Struckmann amüsierte dieses Bild, und unweigerlich fing er an zu lachen. Erst verhalten und in sich hinein und als der Mann ihn nicht mehr hören konnte, laut und schallend. Sein ganzer Körper fing vor Lachen an zu beben, und weil er spürte, daß er sich nicht mehr zurückhalten konnte, und die Leute sich bereits nach ihm umsahen, hängte er den Hörer ein und lief aus der Halle hinaus, auf den Park zu, der sich direkt an das Messegelände anschloß. Dort angekommen warf er sich hinter einem Mairosenstrauch ins Gras und prustete vor Erschöpfung. Am Himmel hatte sich eine Wolkenfront vor die Sonne geschoben. Struckmann beobachtete, wie die weiße Kugel allmählich hinter einer kristallinen Gesteinsschicht verschwand, die ihn an einen blinden Spiegel erinnerte. Oder war es Granit? Schiefer? Oder vielleicht Porphyr? Oder Laura Offenburg? Dann wurde ihm schwarz vor Augen, und er verlor die Besinnung. Für wie lange wußte er nicht zu sagen. Als er aufwachte, lag er mit dem Rücken auf dem Boden. Über ihn neigten sich drei ältere Damen. Struckmann sah sie ganz verschwommen. Ein Meer von Grau und Beige und irgendwo ein grelles Lila. „Junger Mann, ich glaube, sie hatten einen Schwächeanfall“, sagte eine der Damen. Und eine andere: „Jaaah is nich einfach für die jungen Leute.“

Struckmann setzte sich auf. Vor seinen Augen tanzten hunderte von Lichtpunkten. Wechselweise sah er in die Gesichter der Damen, senkte dann den Kopf und flüsterte das Wort „Schwächeanfall“ vor sich hin. Und als sein Bewußtsein wieder halbwegs intakt war, fiel ihm plötzlich ein, warum er überhaupt hier saß. Er strich sich mit den Handflächen über sein Hemd, so als wollte er es abputzen und näherte sich seiner Hose, als er bemerkte, daß der obere Knopf geöffnet war. Erschreckt darüber sprang er auf, klopfte sich provisorisch ab und schloß seine Hose. „Ich muß zurück“, brach es aus ihm heraus. „Entschuldigen sie bitte, aber ich muß zurück an meinen Stand! Sofort!“ Erst als er über die Wiese lief und hörte, wie eine der Frauen ihm nachrief: „Ja geht es denn schon wieder, junger Mann“ und „Schaut mal, der schöne Anzug! Jesusmaria“, erst da spürte er, daß seine Erektion verschwunden war. Er griff sich in den Schritt, um nachzufühlen, wo alles lag und tatsächlich: von einer Schwellung war nichts zu spüren! In der Messehalle angekommen, hoffte er für eine kurze Weile, daß alles ein Irrtum gewesen sei. Als er aber das Telefon neben dem Eingang hängen sah und schräg gegenüber die Toilettentür, schloß sich die Lücke in seinem Gedächtnis. Er ging in Richtung seines Standes, und auf einmal verspürte er die Angst, alles könnte von vorne beginnen. Ein Blick würde reichen, eine Geste vielleicht oder ihr Profil. Allein bei dem Gedanken daran sackte er in sich zusammen und stockte im Schritt. Dann aber wurde er trotzig, so als würde etwas aus seiner Tiefe zu ihm sprechen und sagen: Was auch immer passiert, du bist hier, um einen Auftrag zu erfüllen! Sei ein Patriot! Stell dich! Und Struckmann stellte sich. Er richtete die Jacke seines Anzuges, ordnete seine Haare und ging erst wankend, dann aber geraden Schrittes auf seinen Stand zu. Vorbei an Nils Haberland, dem Mörtelproduzenten aus Bramsfelde und am Würstchenimbiß vom Fleischer Schmidtchen. Noch ein paar Meter, und dann war es geschafft: Sein Stand! Rainer und Karin Ullrich – Tagespflege für Senioren und andere soziale Dienste. Auf dem Tisch gab es ein großes Durcheinander, als hätten hunderte von Händen in den Broschüren gewühlt. Peanuts, dachte er, und dann nahm er allen Mut zusammen und wagte den Blick nach gegenüber. Was er sah, überraschte ihn. Von einer Laura Offenburg war keine Spur! Weder vor noch hinter dem Tresen. Struckmann beugte sich ungläubig über den Tisch und sah nach links und rechts, um sicher zu gehen. Seltsam, wunderte er sich, und als er wieder nach gegenüber sah, erkannte er einen Mann, der hinter dem Tresen zum Vorschein kam. Verdutzt beobachtete er ihn, wie er sich erneut bückte und aus den Kisten, die um ihn herumstanden, Styropor, Gesteinsproben, Metalldosen und Holzklötze hervorholte. Er trug eine schwarze Anzughose und ein aprikofarbenes Sakko. Struckmann schätzte ihn auf Dreißig und mußte lachen dabei. Dann fing er an, die Prospekte neu zu ordnen, die vor ihm auf dem Tisch lagen. Erst die großen, glanzlackierten, danach die Faltblätter und ganz zum Schluß die Luftballons, Memosticks und Schlüsselanhänger.



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