Die Zeit ist reif – Sexualität im Alter

Wir alle werden irgendwann älter, unsere Körper werden nicht mehr so jung und knackig bleiben, wie sie es jetzt vielleicht noch sind. Wie sieht dann eigentlich unsere Sexualität aus? Wollen wir überhaupt noch Sex? Und was ist, wenn wir nicht mehr alleine in der Lage sind, sexuelle Kontakte zu initiieren? Diesen Fragen sind drei Studierende der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin nachgegangen und haben im vergangenen Jahr in Rahmen eines Studienprojekts einen Dokumentarfilm zum Thema Sexualität im Alter in Berlin gedreht. Dafür haben Sie unterschiedliche Fachleute aber auch Privatpersonen zu diesem noch etwas versteckten Thema Sexualität im Alter befragt.  So ist aus über 20 Stunden Filmmaterial ein 75-minütiges Filmprojekt entstanden.  Zu den Fachleuten zählen z.B. die Sexualassistentin Nina de Vries, der Theologe Matthias Vernaldi, der Facharzt für innere Medizin Prof. Dr. C. Zippel und die Sozialpädagogin & Psychologin Christiane Biller-Pech.

Film zeigt große Bandbreite an Perspektiven

Damit ist dem Filmteam eine große Bandbreite an fachlicher Perspektive gelungen. Bei den privaten zeit ist reif coverInterview-Partnern hatten sie jedoch Probleme, Menschen zu finden, die sich vor laufender Kamera zum Thema Sex im Alter äußern wollten. Interessanterweise hatten einige behinderte Frauen und Männer keine Probleme damit. Das macht es mir als Zuschauerin etwas schwer, mich mit den behinderten Protagonisten zu identifizieren, aber zum anderen berühren mich die sehr offenen und persönlichen Interviews. Und über diese emotionale Ebene ist es dann wieder möglich, meine eigene Betroffenheit zu spüren: Auch mir kann es mal passieren, dass ich nicht mehr in der Lage bin, für mich alleine zu sorgen, oder dass ich nicht mehr den gängigen Schönheitsidealen entspreche. Was mache ich dann? Aufgeben? Oder traue ich mich, andere um Unterstützung zu bitten? Wird mich dann auch noch jemand lieben wollen?

Sexualassistenz als Alternative?

Eine Möglichkeit ist die der Sexualassistenz, die auch in dem Film vorgestellt wird. Im Gegensatz zur klassischen Prostitution gehen Sexualassistentinnen vornehmlich zu Menschen, die körperlich oder geistig eingeschränkt sind, und teilweise auch eine dritte Person benötigen, um den Kontakt herzustellen. Sexualbegleiter/innen, wie sie auch genannt werden, sind auf die Besonderheiten ihrer Zielgruppe durch unterschiedliche Anbieter konkret vorbereitet worden.

Den Studierenden ist eine Dokumentation gelungen, wie man sie sich wünscht: Vielseitig, informativ, berührend und inspirierend. Sie zeigt auf, dass auch in einer immer älter werdenden Gesellschaft mit Menschen, die sich vielleicht irgendwann einmal nicht mehr selbst helfen könnten, das Bedürfnis nach Zweisamkeit und Sinnlichkeit bestehen bleibt. Und dass es Möglichkeiten und Räume geben muss, die dieses Bedürfnis stillen können. Dazu brauchte es mutige, offene und aufgeschlossene Menschen, die Sexualität auch im Alter als selbstverständlich betrachten und nach Wegen suchen, dies anderen zu ermöglichen.

Aktuelle Informationen gibt es auf https://www.facebook.com/DieZEITistREIF.Dokumentation
Bestellungen des Films bitte über  DieZeitistREIF-Kontakt@t-online.de

Hier ist der Trailer zum Film

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