"Atemlos" von Sgt. Zapper

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„Atemlos“
von Sgt. Zapper


Da liegst Du wie ein Salamander auf meinem Bauch.
Ein Salamander in der Sonne.

Wenn sich Dein Zwerchfell hebt, atme ich aus.
Wenn Du ausatmest, atme ich ein.
Wie das Meer, das kommt und geht.
Das Meer, das am Strand leckt.

Ganz entspannt liegst Du. Bist doch nicht schwerer als ein buntes Blatt auf dem Waldboden.
Ein regenschweres Blatt, das sich an den Untergrund schmiegt.

Deine Atemzüge sind etwas kürzer als meine.
Würde ich in meinem Rhythmus atmen, brächen sich unsere Atemwellen,
aufgewühlte kleine Luftströme, rollten übereinander, spülten das Bodenwasser nach oben,
was klar und endlos brandete, würde trübe.

Deine Haare duften, so wie Haare duften, wenn Haare sind, was sie sind.
Eine Kopfbedeckung. Die schützt unter der Sonne und wärmt im Winter.
Sie duften nach Kopfhaut. Nach Talk. Nach winzigen Salzkristallen.

Ich atme kurz und verhalten.
Wenn Dein Bauch sich wölbt, lasse ich meinen zusammenfallen.
Du sinkst ein wenig in mich hinein, so wie ein wellenumspülter Fuss im Sand immer tiefer sinkt. Am äussersten Wendepunkt, wenn das Zwerchfell ganz leer ist, wie ein
ausgepresster Wasserschlauch, beginnt sich meine Bauchdecke zu heben, die Lunge
saugt sich voll, schwillt an, treibt Deinen Körper hinauf, wie einen Korken.
Ganz oben tanzt Du, wenn sich meine Bronchienäste füllen, kleine, spitze Kopfnoten,
schwebst einen winzigen Augenblick – und fällst zurück. Sinkst hinab, presst Dich an
den warmen, festen Boden unter Dir, sinkst ein.

Endlos wie das Meer. Unendlich und unaufhaltsam.
Die Welle kommt, die Welle geht.

Wenn der Höhepunkt zusammengebrochen ist. Einer Springflut gleich, die in das Hafenbecken rast, die Schiffe an den Ketten hochwirft, gegeneinanderschlägt, die Stege bricht, die Mole hinaufspringt, an den Pollern gischtet, über die Uferpromenade jagt, Sitzbänke aus der Verankerung reisst, Autos vor sich herschiebt, wie Papierschiffchen, an den Hindernissen hinaufkletternd, sie umschliessend, über ihnen zusammenbrechend, ganz allmählich ihre Kraft verlierend, verebbt, weit über den Ufern verendet und einen neuen See bildet in dem tags darauf die Kinder waten.

Wenn die Luft noch nass ist. Nach Salz riecht.
Und die Sonne durchbricht.
Liegst Du da, wie ein Salamander auf einem warmen Stein.

http://www.poetenpack.de/sgt.zapper


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