"Wiesenfick" von Rosa Chao

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„Wiesenfick“
von Rosa Chao

Es war wirklich Frühling, und es war heiß. Tagsüber war es heiß, die Sonne brannte auf der Haut, ließ den Schweiß herauskommen und die Erde an der Haut kleben, ließ nach Fangenlaufen riechen und Freiheit spüren in all dieser Notwendigkeit dessen, was sich Leben nennt.

Es war wirklich Frühling, und es war kalt. Abends war es kalt, die Sonne verzog sich rasch, und man fror, so daß die sorgsam mitgenommene Kleidung über den Geruch der Freiheit gezogen werden mußte, die Notwendigkeit dessen, …

Wir fickten mitten in der Wiese, die wenigen Häuser des kleinen Dorfes waren nicht weit entfernt. Ich lag mit dem Bauch im Gras, meine Unterhose war nicht mehr weiß, weil noch übriggebliebenes Regelblut den dünnen Streifen, der die Muschi vor Insekten schützen sollte, befleckt hatte. Besser ein wenig schwarzes, gestocktes Blut, das die Leidenschaft anheizen konnte, wir waren doch sowieso schon müde von dieser Sonne, als die plattgedrückte Watte einer durch und durch synthetischen Slipeinlage. Er lag auf mir, in seinen Bewegungen beeinträchtigt durch die Hose, die er bis zu den Knien hinuntergezogen hatte, vollführte er sein Stoßen in all diesen Insekten und mit dem Duft des Frühlings in der Nase, hineingestoßen in die Unschuld, spürte ich seinen Schwanz nicht, nur die rhythmischen Bewegungen und die Wärme seines schweren Körpers, roch die Luft schwer nach dem Schweiß unserer Erregung, fühlte ich, wie die Bonbons, die uns seine Großmutter, die ewig meckernde, mit nichts zufriedene, in seinem Sein ihn vernichtende, mitgegeben hatte, während ich, die angebliche Arbeitskollegin, im Spiegel wie ein Hippie aussah, schmolzen und die Taschen meiner Hose verklebten, süß roch es aus der Hosentasche, süß roch das Sperma und überall, an seinen Händen, an meinen Händen, an den Ameisen, die über uns zurück zu ihrem Bau krabbelten, an den Spitzen der Grashalmen, klebte der Saft meiner Möse, der sich nicht vollends entladen durfte, wie wollte ich schreien auf dieser Wiese unter der Sonne, doch zum Schreien kam es nicht, da war auch schon das Kondom voll, als sich endlich nur ein leiser, leiser Seufzer den Weg durch meine Lippen bannte, rauchten wir dann, beide ein wenig gereizt von der Müdigkeit, unter der brennend heißen Sonne eine Zigarette, auf der Weste und der Jacke sitzend, wir waren gut ausgerüstet für den Abend, und lutschten schließlich an meiner Hose, so daß der Bauer, der, als das, was er vielleicht doch sehen hätte wollen, schon vorüber war, seinen Weg an uns vorbeinahm, den Kopf schüttelte, zwei Menschen, die an einer Hose lutschten, das Mädchen nur in T-Shirt und Spitzenunterwäsche, aber vielleicht konnte er das nicht erkennen, ich hatte die Beine schließlich an das Kinn gezogen, und der Weg war von der Wiese gut ein paar Schritte entfernt, wollte ich ihm noch einen blasen, aber sein Schwanz kam nicht mehr hoch, zu grell schien die Sonne auf uns Liebende, die sich in zwei Tagen trennen würden, jeder zurück in sein Leben.

Auf dem Foto, das noch in irgend einer Lade meines Zimmers sein muß, sitzt er in einem langärmligen, dünnen T-Shirt auf der Bank unter dem Dach der grünen Busstation, raucht eine Zigarette und sieht in die Ferne, aber auf dem Foto ist nicht zu sehen, daß dort, wohin er sieht, eine Buschhecke ist, hinter der die Wiese liegt, auf der wir noch vor einer halben Stunde fickten, und sich vor der Buschhecke diese lange, nie enden wollende Straße entlangzieht, und sich hinter der Busstation weite, unmöglich weite Felder erstrecken. Ich machte das Foto, aber ich kann mir nicht vorstellen, wo ich gestanden sein mag.


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