So sieht die Welt eines DJs für Swingerclubs aus – ein Interview mit Hedo

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Seit nunmehr über 10 Jahren legt Hedo auf Swinger- und Erotikparties in ganz Deutschland und auch international auf. Hedo hatte uns zu seiner Swingerveranstaltung Rendezvous der Lüste eingeladen und da habe ich gleich die Chance genutzt, mich mit ihm darüber zu unterhalten, wie er in die Swinger-DJ-Szene hineingeraten ist und wie sich die Swingerszene so in den letzten Jahren entwickelt hat.

 

Es gibt kaum eine Swingerparty, bei der er noch nicht aufgelegt hat. Mit dem Garten der Lüste hatte er einen beliebten Anlaufpunkt für Freunde der Swingerparty in Leipzig geschaffen: Aktuell veranstaltet er regelmäßig das Rendezvous der Lüste auf dem wunderschönen edel Swingerclub Schloss Milkersdorf. Anfang März wurde uns die Ehre zu Teil, an einem dieser Partys teilzunehmen. Was wir dabei alles erlebt haben, lest ihr in Teil 1 und Teil 2 unseres Swingerclub Erlebnisberichts.
Um den Abend optimal zu nutzen, habe ich natürlich gleich die Chance genutzt, und es mir mit Hedo im Kaminzimmer des barocke Schlösschens gemütlich gemacht. Bei einem Gin Tonic und nur spärlich bekleidet, haben wir uns ein wenig darüber unterhalten wie er überhaupt zum Swinger DJ gekommen ist und die Entwicklung der Swingerclubs und -szene in den letzten Jahren einschätzt.

 

Hedo HedonisticeventsHallo Hedo – erzähl doch kurz mal etwas über dich. Wie bist du dazu gekommen, DJ bei Erotik- und Swingerpartys zu werden?

DJ bin ich eigentlich geworden, durch Partys, die ich in Leipzig veranstaltet habe. Ich komme ursprünglich selbst auch aus Leipzig. Ein Freund von mir hat in Berlin den „Garten der Lüste“ veranstaltet, wir hatten uns kennengelernt und haben dann irgendwie herausgefunden: Leipzig wäre auch eine Adresse dafür. Und da haben wir die Partys in Leipzig 2005 begonnen und mussten uns für jede Party die DJs aus Berlin buchen. Die kamen dann aus dem KitKat und den anderen ähnlichen Clubs zu uns, weil die am besten mit der ganzen Situation klarkamen – mit der Art der Party und so weiter.

Auf Dauer war das aber ziemlich nervig und da haben wir dann irgendwann gesagt, das könnten wir doch auch selber machen.

Ja, und ich persönliche habe mich schon immer für Musik interessiert und dann einfach angefangen mir einen Turntable zu kaufen und ein kleines Mischpult. Dann kam noch ein zweiter dazu und die ersten Platten.
Dann habe ich angefangen – hat zwar etwas länger gedauert, als ich dachte – doch so nach und nach kam ich rein, vor allem auch durch die eigenen Partys, die ich organisierte.

Tja und das ging bis 2008, dann sind mein Veranstaltungspartner und ich auseinandergegangen. Danach habe ich in Leipzig eine andere Partyreihe gestartet, das war die „Wilde Orchideen“ – bis 2013.

 

… und im Anschluss daran hast du mit „Rendezvous der Lüste“ begonnen?

Genau – danach haben wir uns dieses Konzept hier einfallen lassen. Verbindungen zu Schloss Milkersdorf waren schon länger da. Ich bin mit dem Inhaber René befreundet, der heute allerdings nicht da ist, weil er inzwischen selber auch als DJ auflegt.
Jedenfalls meinte er irgendwann: „Mensch, mach doch mal eine Party hier bei uns.“ Tja, und dann haben wir angefangen 2014 im April hier im Schloss „Rendezvous der Lüste“ zu machen und seit dem veranstalten wir das 5 mal im Jahr.

 

Wie seid ihr zu dem Konzept gekommen?

Wifesharing- und Cuckoldpartys interessierten mich schon lange und damals konnte man direkt einen kleinen Hype fühlen – da gab es einige Swingerpartys, die damit schon hervorstachen. Mir gefiel das Konzept und ich dachte, das könnte man auch ein wenig in Richtung Feier-Party bringen. Also mit DJs und so richtig mit Tanzen und Feiern. Und dann ist da so Stück für Stück zusammengekommen.

 

Warum war es eigentlich so schwer, DJs für deine Partys zu finden – gibt es da einen Unterschied zwischen einer normalen Party und dem hier?

Ich denke schon, sonst hätten wir damals nicht so die Probleme gehabt DJs zu finden. Die haben sich weder vom Dresscode her anpassen wollen, noch waren sie von ihrem Auftreten her so, dass sie gepasst hätten. Heutzutage vermischt sich das aber alles eher so ein bisschen.

Aber irgendwie bleiben die DJs in der Szene am Ende immer bei solchen Partys hängen. Ich bekomme zum Beispiel fast keine Buchungen für irgendwelche normalen Parties – nur sehr selten.

 

Sind da eher nur Partys dein Ding oder findet man dich auch in reinen Swingerclubs?

Ich bin fast ausschließlich auf Fetischpartys unterwegs, reine Swingerpartys weniger. Und das im gesamten deutschsprachigen Raum – also auch in Österreich und der Schweiz. Letztes Jahr habe ich auch in Cap d’Agde in Südfrankreich aufgelegt und einmal war ich sogar schon in New York.

 

Wo hat es dir da bisher am besten gefallen, wenn du schon an so vielen Orten aufgelegt hast?

Das ist unterschiedlich, jeder Club bzw. jede Location hat seine tollen und manchmal auch seine weniger tollen Seiten. Richtig gut gefällt es mir hier in Milkersdorf. Das ist schon eine einmalige Location – bisher habe ich noch nirgendwo etwas vergleichbares gesehen. Weder im Osten noch im Westen.

 

Hedo im KitKatclub

Hedo im KitKatclub

Was für Musik legst du meistens auf?

 

Ich könnte jetzt sagen elektronische Tanzmusik – aber es ist eigentlich Techno, TechHouse, Deep House, Progressive. Ich würde mal sagen, so KitKat-Style. Dort lege ich auch ab und zu noch auf – ist aber nicht immer so ganz einfach, weil die Betreiberin die Planung immer recht kurzfristig macht und da bin ich meist schon ausgebucht.

 

 

Bist du eigentlich selber aktiver Swinger?

Grundsätzlich schon. Aber mittlerweile bin ich so ziemlich jedes Wochenende gebucht – da bleibt gar nicht mehr so richtig Zeit, das eigene Swingerleben auszuleben. Nach wie vor ist der Kreis der DJs, die auf Erotik- und Fetischpartys auftreten sehr begrenzt und es bleibt viel Arbeit für die wenigen, die da sind. Wir sind in der Szene eher wie eine Familie – da kennt jeder jeden.

 

Und so nebenbei, wenn du als Dj da bist?

Das könnte ich schon, manchmal ist da ja auch Zeit dafür. Also du hast meistens zwei Stunden aufzulegen, danach eine bis zwei Stunden Pause und dann nochmal zwei Stunden Musik zu machen. Es gibt die eine oder andere Party, da hast du mehr Zeit, da kannst du dich druntermischen und spielen. Aber oft habe ich gar nicht den Kopf dafür frei. Schon gar nicht an Abenden wie heute, wo ich auch noch selber der Veranstalter bin.

 

Wie hat sich deiner Meinung nach die Szene in den letzten Jahren entwickelt?

Ich denke, es ist offener geworden. Ich denke, es sind viele junge Leute dazugekommen. Und es entwickelt sich noch mehr in Richtung Feiern und Party. Mehr weg vom reinen Swingerclub hin zum Party machen. Man kann auch beobachten, dass immer mehr auf den Dresscode geachtet wird, also Fetisch oder Sexy Stylisch. Reines Swingerclub-Outfit mit Handtuch und Badelatschen, kann man mittlerweile suchen.

 

Der Swingerclub an sich hat ja eher einen schlechten Ruf …

… ich denke, dass hat sich geändert. Den kleinen Club im Hinterhaus gibt es sicher noch irgendwo, aber ich denke, die größeren Clubs achten mittlerweile alle sehr auf Dresscode, schickes Ambiente und Niveau.

Einwurf von der Seite: Außer im Pächenclub Schiedel. Einwurf Hedo: Jeder Schniedel muss nach Schiedel. (Brandenburg – fast bei Bautzen/Kamenz)

Insgesamt hat die Zahl der Erotikparties zugenommen und sie sind zumeist auch sehr gut besucht. Zumindest ist es das, was ich so wahrnehme. Im Joyclub kann man das auch gut beobachten – da hat man alles vor sich – und dort nimmt die Zahl der Partys zu. Gerade auch die, welche sich speziell an junge Menschen richten.

 

Siehst du von den Leuten her einen Unterschied zwischen „normalen“ Partys und Erotikpartys?

Ich habe auch schon viele coole normale Partys erlebt, wo die Leute ähnlich wie hier cool drauf waren. Vielleicht nicht ganz so freizügig, aber von der Stimmung her. Somit wird sich wahrscheinlich alles immer mehr vermischen. Schließlich gibt es umgedreht leider auch immer mehr Erotikpartys, bei denen es mehr um ein Schaulaufen geht, als um den Kerngedanken – frei und ausgelassen Spaß zu haben.

Um so wichtiger sind Veranstaltungen wie das Rendezvous der Lüste – denn wir legen Wert auf Qualität. Bei uns steht immer noch das Swingen und der Spaß am Ficken im Vordergrund und nicht das Schaulaufen.

 

Das nächste Rendezvous der Lüste findet übrigens am 09.09 im Schloss Milkersdorf statt.

 Bilder im Text mit freundlicher Genehmigung von Hedo.
Anzeigebild powerd by pixabay.


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Autorenprofil

Sascha

Sascha ist für das Redaktionelle bei Erosa zuständig. Vater zweier Kinder, verheiratet in einer offenen Ehe, geboren, aufgewachsen und wohnend in Dresden. Er hat schon immer ein brennedes Interesse an allem, was mit Erotik, Sexualität und Beziehung zu tun hat. Sein besonderes Steckenpferd sind Sextoys. Er arbeitet freiberuflich als Texter. Sein Angebot findest du hier auf Erosa unter "Wir".

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