Rheinische Tantranacht: Sexualkraft feiern

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Gemeinsam mit meinem Liebsten wollte ich mir ein neues Wochenend-Event anschauen; natürlich nicht nur schauen, sondern auch mitmachen. Die Beschreibung war interessant und vielversprechend – ja, wir wollten die „Sexualkraft als stärkste Lebensenergie“ feiern. Es klang nach Schnittstelle aus Kennenlernparty, Swingerclub und Tantraseminar, außerdem kannten wir jemand aus der Leitung, was unsere Entscheidung der Anmeldung leicht machte.
So fanden wir uns, das heißt eine Gruppe von etwa 30 Leuten, Singles und Paare, geschlechtermäßig ausgewogen, am Freitagabend in einem wunderschönen Seminarhaus, dem Gut Alte Heide in der Nähe von Köln, zusammen, um die rheinische Tantranacht zu begehen.

Die Gruppenleitung wurde sympathisch und kompetent von einem Tantriker-Dreiergespann übernommen: Christian Schwarz mit dem Paar Felice Pospiech und Ralf Lieder.
Es begann mit einer kurzen Gesprächsrunde und einer Tanzsession, um anzukommen und locker zu werden. Mit Stimulierung des Tastsinns und verbalem Austauschs in Dreierrunden stimmten wir uns auf das Thema Erotik und Sexualität ein, um uns zum Abschluss des Tages alle in großer Runde eng zusammenzukuscheln.

Der nächste Tag begann wahlweise mit einer Meditation oder gleich mit dem leckeren Frühstück. Es folgten Tanz und Berührungsübungen, eine kurze Trennung von Männlein und Weiblein zur Besinnung auf die eigene Schönheit, sowie ein Verehrungsritual, was für mich wie für die meisten sehr berührend war und mir nicht nur eine Gänsehaut bescherte.

Das Königinnen- und Königsspiel

Am Nachmittag folgte, wiederum in Dreiergruppen, ein weiterer Höhepunkt des Wochenendes: Das Königinnen- und Königsspiel. Dabei wird jeweils eine/einer zur Königin/zum König bestimmt, die anderen werden zu Wunscherfüllern und dürfen ihrer Herrin oder ihrem Herren dienen. Die Übergabe erfolgt jeweils feierlich in einer kleinen Zeremonie, so dass ganz klar ist, wer gerade die „Macht“ hat und diese klug und weise ausübt. Selbstverständlich ist auch die respektvolle Ablehnung eines Wunsches erlaubt. Ich weiß aber nicht, ob von dieser Möglichkeit überhaupt in einem Team Gebrauch gemacht wurde.

Es war schon ein besonderes und teilweise auch verunsicherndes Gefühl, als ich zu meinen zwei vor mir knienden Dienern herunterschaute und wusste, die nächste Stunde lang durfte ich mir Wünsche erfüllen lassen! Wichtiger Bestandteil meiner „Amtszeit“ wurden dann viele, kleine, bunte, süße Gummibärchen, die meine beflissenen Diener eifrig auf meiner von Kopf bis Fuß nackten Haut verteilten. Anschließend durften sie sie abwechselnd mit einem hübschen Kompliment garniert vorsichtig – oder auch mal etwas ungestümer – liebkosend mit ihren Lippen vernaschen.
Auch ich bekam hin und wieder eines in den Mund gesteckt.

Nach dem Abendessen erschienen wir alle in gewagter, sexy Kleidung und es wurde angeleitet mit jedem getanzt. Mal durfte zum Beispiel nur der eine, danach nur der andere dem Tanzpartner/der -partnerin ein Lied lang Berührungen verschenken, während der/die andere passiv bleiben sollte. Freude am verführerischen Tanz und freche Verspieltheit war gefragt; mir hat das viel Spaß gemacht. Meine anfänglichen Bedenken konnte ich loslassen und wurde zunehmend mutiger!

Tastsinne im Dunkeln

Die „freie Tantranacht“ wurde eingeleitet durch eine quasi „Darkroomsession“, bei der alle mit verbundenen Augen in einen schummrigen und komplett mit Matratzen ausgelegten Raum, abgegrenzt durch eine eindeutige, weiche Umrandung, geleitet wurden. Dieses nichtsehend-andere-Betasten ist mir persönlich alles andere als behaglich (und wie ich bei der Abschiedsrunde am nächsten Tag hörte, war ich mit diesem Gefühl auch beileibe nicht alleine). Dazu kam noch die schicke Kleidung, die ich nicht ablegen, aber auch nicht beschädigen (lassen) mochte. So tastete ich mich vorsichtig am Rande entlang und traf dort auf eine attraktive, interessante Frau, die ich an ihren langen Locken sofort erkannte.
Mit und bei ihr fühlte ich mich beruhigt und entspannt, gleichzeitig verbrachten wir eine aufregende, sehr faszinierende Augenbinden-Zeit, in der wir uns kaum von anderen stören oder ablenken ließen…

Als wir die Wickel abnehmen und wieder sehen durften, musste ich erstmal blinzeln und einige Male tief durchatmen. Beim Umschauen konnte ich erkennen, dass nicht wenige dieses und jenes an Kleidungsstücken in dieser Phase „verloren“ hatten, aber auch die Anzahl der Teilnehmenden wirkte reduziert. Es hatten wohl nicht alle der Zögerlich- oder Zaghafteren ein solch ruhiges, verschwiegenes, nettes Eckchen mit einem achtsamen Gegenüber wie ich gefunden!

Froh meinen Liebsten zu erblicken, robbte ich zu ihm hinüber, um mich glücklich in seine vertrauten Arme zu schmiegen.
Jetzt, wo ich sehen konnte, wer da um mich war, fühlte ich mich wieder wohler und selbstbestimmter. Ich konnte mehr zulassen bzw. wagen und wir verbrachten noch mehrere angeregte Stunden hier – nicht nur in Zweisamkeit! – über deren Details ich jetzt den Vorhang der Nacht ziehe.

Die Morgenmeditation des Sonntags schwänzten wir, um direkt zum müden, aber fröhlichen Frühstück überzugehen. Jede Menge Kraft obendrein tankten wir zum Abschluss am Vormittag noch bei einer für mich sehr wirkungs- und eindrucksvollen Atemmeditation.
Diesen Schwung nahmen wir mit bis nach Hause und erfreuen uns bis heute an den lieben Kontakten, die wir auf diesem erfüllten Wochenende geschlossen haben.

Rheinische Tantranacht

Die nächste Rheinische Tantranacht findet am 02.11.2013 in Köln statt. Mehr Informationen zu dieser Veranstaltungsreihe findet Du hier: www.rheinische-tantranacht.de

 

 

Bild: Paar in Umarmung © Couperfield – Fotolia.com
Bild: Frau mit Augenbinde © Ruslan Solntsev – Fotolia.com


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Autorenprofil

Beatrice Adore

geboren 1965 in Berlin; kreatives Schreiben, Reiten und Tanz, insbesondere der Tango Argentino, gehören zu ihren Hobbys. Mit ihrem Lebens- und Liebespartner ist sie inzwischen über dreizehn spannende, glückliche Jahre verbunden.

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