Glück, Liebe und Rituale

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„Da hab‘ ich aber Glück gehabt, ausgerechnet dem Mann zu begegnen!“
„Susi und Peter sind ein tolles Paar. Die haben echt Glück, schon sechs Jahre sind sie zusammen.“ „Tja, Glück in der Liebe ist eben meins.“ Oder auch: „Ich hatte einfach Glück mit meiner Renate.“
Kennt Ihr auch solche Aussagen? Ist da was dran? Oder sind Glück und Liebe doch zwei verschiedene Paar Schuhe?

Der 20. März, passenderweise der Frühlingsanfang, wurde auserwählt zum „Internationalen Tag des Glücks“. Vor vier Jahren haben die Vereinten Nationen beschlossen, diesen Aktionstag in der Resolution festzulegen: „Das Streben nach Glück ist ein grundlegendes, menschliches Ziel.“ Dies ist universell gültig für alle Menschen auf der ganzen Welt. Sogar schon in der Unabhängigkeitserklärung 1776 hatten die USA diesen Satz auf das individuelle Freiheitsrecht, nach Glück zu streben, festgeschrieben; bezeichnet als “ Pursuit of Happiness“.
Die Beschäftigung mit dem Thema „Glück“ und vor allem „Was ist Glück?“ ist also gar nicht neu. Das Empfinden von Glück ist vielschichtig und sehr individuell, geht vom flüchtigen Glücksgefühl bis zu dauerhafter Glückseligkeit. Und hängt nicht (nur) von äußeren Umständen ab.

Der Duden beschreibt Glück als ein „Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände“ beziehungsweise als „günstige Fügung des Schicksals“. Weiter heißt es, das Glück ist eine „angenehme und freudige Gemütsverfassung“ oder ein „Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“.
Letztlich muss jede und jeder für sich selbst festlegen, was Glück für sie und ihn bedeutet!

Für Liebe findet man im Duden die Umschreibung des „starken Gefühls der Hingezogenheit“, „im Gefühl begründete Zuneigung“ und „auf starker körperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten Menschen, verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein“. Und nicht zu vergessen auch eine Bezeichnung für „sexuellen Kontakt“.
Jawohl, „Liebe machen“, diese Bezeichnung kennen (und benutzen?) wir alle.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch Fortuna erwähnen, das personifizierte Glück, die Glücks- und Schicksalsgöttin der römischen Mythologie. Tut sie sich mit Gott Amor zusammen, dem schalkhaften Knaben mit den Liebespfeilen, haben wir vermutlich das beste Zusammenwirken von Glück und Liebe – blindlings wird das richtige Ziel getroffen, was für eine exzellente, freudvolle Vorbestimmung!

Einen „Tag der Liebe“ kennen wir alle: den Valentinstag am 14. Februar. Diesen gibt es – weniger bekannt – seit 1970 auch noch als ägyptische Version, die am 4. November stattfindet. Und im Sommer können wir noch mit dem „Tag der virtuellen Liebe“ aufweisen, jährlich am 24. Juli zu feiern.
Dazu haben die meisten Pärchen noch ihre eigenen „Feiertage“ – den Hochzeitstag, aber auch den glücklichen und schicksalhaften Tag des Kennenlernens, den Tag des ersten Liebe-Machens, den Tag des …
Was feiert Ihr so?

Mein Liebster und ich, wir feierten diesen August zum Beispiel zum fünfzehnten Mal bereits den Tag unseres ersten Kusses. Mit kleinen Geschenken, die wir morgens im Bett gemeinsam auspacken. Dies ist eines von den vielen kleineren oder größeren schönen Ritualen, die die meisten Paare für sich so haben.
Ich fühle mich sehr glücklich in meiner Beziehung und erlebe und genieße eine reichhaltige Zahl von diversen Glücksmomenten mit meinem Lebensfreund. Diese speichere ich im Gedächtnis und in meinem Herzen. Ein dickes Polster für Phasen, die vielleicht auch mal stressig oder anstrengend sind. Oder geprägt von Meinungsverschiedenheiten.
Das Führen einer innigen, vertrauensvollen Beziehung ist dagegen nach meiner Erfahrung keine Glückssache. Sondern harte Arbeit! Sie verlangt eine stetige Achtsam- und Aufmerksamkeit dem Partner, der Partnerin gegenüber, ein fortwährendes genaues Hinschauen und ein bewusstes immer wieder „Ja-Sagen“ füreinander.
Ganz persönliche Rituale im Miteinander festigen das Band der erlebten und geschätzten Gemeinsamkeiten. Manchmal sind es nur kleine Zeichen, sie können aber große Geborgenheit und Sicherheit in uns erzeugen.

Gibt man mal in unsere allseits beliebten Durchsuchmaschinen des Netzes die Begriffe „Glück“ und „Liebe“ ein, was erhält man dort für Ergebnisse?
Ich habe es versucht und erhielt eine riesige Fülle von Seiten zu Sprüchen, Aphorismen und Zitaten. Gefolgt von Artikeln wie: „Beweise, dass Sie den richtigen Partner gefunden haben“, „mit positivem Denken zum Liebesglück“, „zwinge dich zur wahren Liebe“ (wie auch immer das gehen soll), Tipps aus der Paarforschung, Glücksforschung über den Sinn des Lebens und auch Songtexte bis hin zu Orakeln und Seiten, die Trost schenken sollen (falls es mit der Liebe und dem Glück denn nicht klappen sollte).

Aus diesem gewaltigen Potpourri greife ich mir ein bekanntes und schönes Beispiel von Albert Schweitzer heraus:

Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.
Das gilt doch für die Liebe ganz genauso. Oder?


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Autorenprofil

Beatrice Adore

Gebürtige Berlinerin; kreatives Schreiben, Reiten und Tanz, insbesondere der Tango Argentino, gehören zu ihren Hobbys. Mit ihrem Lebens- und Liebespartner ist sie inzwischen über fünfzehn spannende, glückliche Jahre verbunden.

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