„Frauen ab 40 vermodern von innen…“

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Am Sonntag lief der Leipziger Tatort im Fernsehen. Diesmal war eine Frau das Mordopfer, die ihre letzte Nacht mit ihren Freundinnen auf einer Ü40-Party verbracht hatte. Es ging um Frauen, die das Gefühl haben, als Frau nicht mehr zu existieren, wenn die Männer sie nicht mehr anschauen. Frauen, die zu Flirtcoaches gehen, um ihren Marktwert aufzubessern, sich in möglichst viele erotische Abenteuer werfen, um doch nur auf die große Liebe zu warten. Es ging um Frauen ab 40, die angeblich von innen vermodern…

Ich habe mir diesen Tatort angeschaut und habe mich gefragt, wie viele Frauen es wohl geben mag, die wirklich ein solches Selbstbild von sich haben. Ich hoffe darauf, dass es eher eine Minderheit ist. Aber dass manche Frauen denken, ab einem gewissen Alter, einem gewissen Körpergewicht seien sie für einen Mann nicht mehr attraktiv, schockiert mich.

Unsichtbare Frauen?

Ich selbst bin 43 Jahre alt, gehöre also zu den Frauen, die angeblich unsichtbar werden. Ich weiß nicht, ob ich dazu gehöre. Aber es ist mir auch egal. Weil es mir egal ist, ob die Männer mich sexy finden oder nicht. Das war eigentlich schon immer so. Und seit ich verheiratet bin, bin ich froh drum, das Feld des Flirtens und der Beziehungssuche hinter mir gelassen zu haben. Ich habe jetzt viel mehr Zeit und Energie für die Dinge, die mir wichtiger sind.

Es gibt immer wieder Menschen, die nicht dem Schönheitsidealentsprechen, die die angeblich so magische Grenze von 40 Jahren schon lange überschritten haben und „trotzdem“ Lust und Liebe für sich finden. Es kann also nicht nur am Alter oder am Aussehen liegen, wenn es damit nicht funktioniert.

Forever sexy?

Warum glauben Frauen, sie müssten dauerhaft sexy und attraktiv sein? Alle wollen alt werden, aber nicht älter. Doch das gehört zum Leben dazu! Wir sehen mit 40 nicht aus wie mit 20, und mit 60 nicht wie 40. Warum stehen die Frauen nicht zu dem, wer sie sind und was sie sind?
Warum glauben sie, sie wären nur attraktiv, wenn Männer sie anschauen und begehren? Warum machen sie ihr eigenes Selbstwertgefühl abhängig von den Blicken der Männer? Gibt es denn sonst nichts in ihrem Leben? Die Tochter des Mordopfers hat es vielleicht ganz richtig ausgedrückt, warum ihre Mutter keinen Partner gefunden hat. „Weil ihr Not auf der Stirn geschrieben stand“. Wer möchte denn eine Partnerin, die verzweifelt geliebt werden möchte, weil sie sich selbst nicht liebt?

Entspannt ohne…

Keine Frau muss für immer sexy und verführerisch sein. Sie kann es auch einfach sein lassen, sich um die Blicke der Männer zu kümmern. Doch das erfordert Mut und innere Unabhängigkeit, sich von den gesellschaftlichen Normen und den Bildern der Medien abzugrenzen. Ich weiß das sehr wohl. Auch, dass das nicht immer leicht ist. Vielleicht liegt es an meinem Alter, meiner Lebensweisheit oder meinetwegen auch an meiner langjährigen Beziehung, die mich hat ruhiger werden lassen. Aber das ist okay. Es gibt mir eine innere Ruhe, dass ich mich auf dem Marktplatz der Eitelkeiten nicht mehr tummeln muss.


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Autorenprofil

Silke Maschinger

Diplom-Sozialwissenschaftlerin – Jahrgang 1970 & seit 2009 verheiratet – Chefin von erosa.de & des Erotischen Salons – Coach zu den Themen Lebensberatung, Sexualberatung & Paarberatung auf www.knoten-coaching.de – Autorin von „Spielarten der Lust“ und „Sexworker“.

2 Kommentare

  1. Ja, der „Tatort“ war schon verstörend. Sage ich als Mann. Wesentlich verstörender fand ich aber, daß die kreativen Köpfe dahinter Frauen waren. Entweder wollten sie ihre Mütter veralbern, oder sie haben beobachtet (oder selbst die Erfahrung gemacht), daß Ü40-Frauen keine Beachtung in der Männerwelt finden.

    Meine persönliche Beobachtung ist, daß es tatsächlich viele Frauen in dieser Altersgruppe gibt, die nahezu alles tun würden, um endlich einen Mann zu finden, der bei ihnen bleibt (solange sie Single sind) oder endlich einen Mann zu finden, der ihr Leben aufpimpt (sofern sie in einer Beziehung sind). Schade. Verkrampftes Suchen nutzt doch nichts!

  2. Mh, ja der Tatort war mäßig intelligent und langweilig dazu. Diese Schwermut der Charaktere kann ich aber schon ein Stück weit verstehen. Wer sich einen Partner wünscht, der möchte natürlich für das andere Geschlecht weiterhin attraktiv wirken. Diese Plattitüden, die der Film bedient hat sind natürlich unterste Schublade – auch das Motiv. Der Mann mit der Peitsche war so einfallslos genau das Selbe mit zwei Frauen zu tun. Wie bedenklich ist das denn? Und deshalb bringt frau ihre Freundin um?!

    Die SM-Klischees haben mich fast mehr geärgert als dieses „Frauen sind irgendwann“ unsichtbar Gesäusel. Warum sind immer Leute verdächtig, nur weil sie eine bestimmte sexuelle Vorliebe haben? Das ist sehr schade, dass in jedem TV-Krimi erstmal der böse Dom oder die noch bösere Domina verdächtigt wird wenn BDSM in der Geschichte vorkommt. Wo sollte man auch sonst suchen? Das ist ja alles so düster und gefährlich. Da schüttelt es mich, ehrlich.

    Deine Idee, sich von den Normen der Gesellschaft und dem Wunsch – auch für sich selbst – attraktiv zu sein zu lösen ist in der Theorie sehr schön aber gerade von jemandem, der allein ist und es nicht bleiben möchte etwas zu viel verlangt, denke ich. Denn: Beim Kennenlernen zählt das Äußere ja doch. Erst wenn ich jemanden soweit an mich heranlasse, um ihn oder sie kennen zu lernen kann ich den Charakter eines Menschen lieben lernen. Natürlich sind die von den Medien vorgegebenen Körpernormen ein Graus. Aber wer sie verinnerlicht hat kommt da nicht so leicht wieder heraus – und wenn man die Diätvorschläge im Frühling in Zeitschriften zählt, könnte man auf die Idee kommen, es sind sehr viele Menschen, die lieber etwas schlanker wären. (Und: Vermutlich nicht nur Frauen.) Ich fände schade, mit über 40 plötzlich zu verschwinden denn das sind nur noch 4 Jahre und ich fühle mich so gar nicht unsichtbar!

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