Durex Intense Orgasmic Gel Werbespot – schicker Spot, falsche Botschaft

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Der neue Werbespot für das Durex Intense Orgasmic Gel ist bunt, modern und fetzig und wirbt eigentlich für einen guten Zweck – #OrgasmsForAll. Dennoch macht er zwei grundlegende Dinge falsch.

Also erstmal, die Idee hinter dem Video ist ja gar nicht so schlecht. Der Orgasmus der Frau wird in den Mittelpunkt gestellt. Weil, so eine Sprecherin im Video, nur zwei von drei Frauen beim Sex zum Orgasmus kommen. Damit erzählt sie uns schonmal nix Neues und ich würde die Zahl sogar noch weiter unten ansetzen.

Es ist schonmal schön zu sehen, dass so eine Werbung mittlerweile auch im Mainstream TV läuft. Das zeigt nur, wie „salonfähig“ das Thema Sex mittlerweile geworden ist. Gerade Amorelie und Eis.de machen es da mit ihren Werbespots immer wieder vor – vor allem der Webespot von Eis.de – Es rappelt im Karton – ist so einprägsam, dass er nur schwerlich wieder aus dem Kopf verschwindet.

Durex Intense Orgasmic Gel – darum geht es

Mit dem Intense Orgasmic Gel von Durex soll die Empfindsamkeit des Intimbereiches der Frau verstärkt werden. Schon wenige Tropfen auf die Klitoris vor dem Vorspiel reichen und die Frau verwandelt sich in eine Orgasmusmaschine. Interessant ist die Angabe, dass es einen wärmenden, kühlenden oder prickelnden Effekt haben kann. Ja was denn nun? Heiß oder Kalt? Oder vielleicht beides zusammen? Das, was ich bisher an ähnlichen Salben und Gels für Männer probiert habe, hat bisher noch nicht wirklich einen einschlagenden Effekt gehabt.

 

 

Der Spot an sich ist ja ganz hübsch. Er zeigt zwei Menschen beim Sex, bei dem die Frau nach einem Klecks Orgasmic Gel in einer Farbexplosion „Galaktische Orgasmen“ hat. Aber trotz moderner Aufmachung ist die Botschaft, die der Spot vermittelt, so unmodern, wie er nur sein kann. Er spiegelt eine zutiefst männliche und in der Gesellschaft anscheinend immernoch fest verankerte Sicht auf Sex und den Orgasmus der Frau wieder. Denn das Video vermittelt genau zwei Dinge:

 

  1. Die Frau hat „Schuld“, dass sie keinen Orgasmus bekommen kann und braucht ein Gel, dass sie orgasmusfähig macht.
  2. Es braucht für ein intensives Liebesleben unbedingt und ständig einen Orgasmus.

Woran liegt es denn nun, dass Frauen weniger Orgasmen haben?

Ach, es ist doch immer wieder die alte Leier. Während der Mann recht einfach zum Orgasmus gebracht werden kann, braucht es bei der Frau oft länger, wenn sie denn überhaupt kommen kann. Dass sie keinen Orgasmus hat, liegt dann natürlich an ihr, weil es eben so kompliziert ist, sie zum kommen zu bringen und so weiter und so fort. Als Mann kann man da eben einfach nichts machen, wenn die Frau halt beim Sex nicht kommt, dann kann sie eben nicht kommen. Und damit der Mann auch weiter nichts machen muss gibt es jetzt das Intense Orgasmic Gel von Durex.

Ganz davon abgesehen, dass auch Männer zunehmend mit Orgasmusschwierigkeiten zu kämpfen haben (Stichwort: Death Grip Syndrome), hat eine Studie Anfang diesen Jahres doch eindeutig einen anderen Urheber für die Orgasmuslosigkeit der Frau ausgemacht, als sie selbst. Schuld ist nämlich der Sexualpartner. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Bi- und Homosexuelle Frauen wesentlich häufiger Orgasmen beim Sex haben, als heterosexuelle Frauen. Um genau zu sein, haben 88 Prozent der lesbischen Frauen angegeben immer oder fast immer einen Orgasmus zu haben, während die Zahl der heterosexuellen Frauen bei 65% lag. Ziemlich eindeutig, wer sich da beim Sex und allem, was dazugehört, nochmal seine Lebensentscheidungen zu überdenken. Elisabeth Lloyd, eine der Autorinnen der Studie, ist außerdem der Meinung, „dass sich Sex-Praktiken, die von lesbischen Frauen oft ausgeübt werden, auch auf heterosexuelle Paare übertragen lassen, wenn sie wirklich wollen, dass die Frau zum Höhepunkt kommt.“ Und dazu zählt nunmal mehr, als das klassische rein-raus-Spiel.

 

Kann Sex auch ohne Orgasmus intensiv sein?

Ja, definitiv. Sex kann auch ganz ohne Orgasmus wild, leidenschaftlich und intensiv sein. Ganz im Gegenteil ist es sogar oft das Hinterherjagen nach dem Orgasmus, dieses zielgerichtete Hinarbeiten auf dieses Ereignis, was dem Liebesspiel eine Menge von der natürlichen Leidenschaft nimmt. Anstatt den Körpern ihren freien Lauf zu lassen, nachzuspüren, zu erforschen, einfach mal nur zu empfinden, wird jede Bewegung und jede Aktion dem einen großen Ziel unterworfen – dem Orgasmus. Das Problem dabei ist wie so oft, um so mehr versucht wird es herbeizuerzwingen, um so weniger funktioniert es. Die Gedanken im Kopf fangen an zu rotieren, mann und frau sind einfach nicht mehr im „flow“ und der Körper spielt automatisch auch nicht mehr mit. Um so öfter es dann nicht klappt, um so größer der Druck und der Stress und um so unwahrscheinlicher ist es, dass die Frau (oder auch der Mann) zum Orgasmus kommt. Mit dem Ergebnis: Beide sind frustiert, der Mann zweifelt an sich selbst, weil er eine Frau nicht zum kommen bringen kann und die Frau fragt sich, ob sie nicht normal ist.
Mit der Botschaft, mit der das Intense Orgasmic Gel von Durex wirbt, wird diese Zielgerichtetheit nochmal verstärkt. Dabei ist doch gerade das Gegenteil die eigentliche Lösung. Alle Gedanken an Orgasmen und Erwartungen beiseite schieben und sich ganz dem eigenen Körper überlassen. Oftmals ist es dann auch so, wenn alle Beteiligten entspannt sind und sich nicht mehr diesem Orgasmusdruck ausgesetzt sehen, kommt der Orgasmus von ganz alleine. Natürlicher und intensiver, als er es mit dem Gel von Durex je könnte. Nicht umsonst sind Slow Sex, Orgasmic Meditation und Co. zunehmend auf dem Vormarsch.

 

 


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Autorenprofil

Sascha

Sascha ist für das Redaktionelle bei Erosa zuständig. Vater zweier Kinder, verheiratet in einer offenen Ehe, geboren, aufgewachsen und wohnend in Dresden. Er hat schon immer ein brennedes Interesse an allem, was mit Erotik, Sexualität und Beziehung zu tun hat. Sein besonderes Steckenpferd sind Sextoys.
Er arbeitet freiberuflich als Texter. Sein Angebot findest du hier auf Erosa unter „Wir“.

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